Daniel Freund

1. Dezember 2025 Antikorruption

Lieber Telekom-Chef: Warum spendet T-Mobile an Trumps Ballsaal-Projekt?

tabrez syed/unsplash

Vor einigen Wochen stand ich in Washington vor dem Weißen Haus. Man hatte damals gerade damit begonnen, den Ostflügel des Hauses abzureißen. Donald Trump macht damit Platz für einen goldenen Ballsaal. Der US-Präsident lässt sich das Projekt von zahlreichen Konzernen bezahlen. Mit großer Sorge hörte ich, dass auch T-Mobile zu den Spendern gehörte. T-Mobile US ist eine Tochter der Deutschen Telekom.

Mein Kollege Sebastian Schäfer, Haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, teilte diese Sorge. Deswegen haben wir beide nun einen Brief an Timotheus Höttges geschrieben, den Chef der Deutschen Telekom. Wir haben da nämlich einige Fragen. 

 

An den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG Herrn Timotheus Höttges

 

Betreff: Spende von T-Mobile US an Trumps Ballsaal-Projekt – 28.11.2025

 

Sehr geehrter Herr Höttges,

in Washington wächst ein neues Prestigeprojekt der Trump-Regierung: ein Gold-beladener Ballsaal, der an die Stelle des abgerissenen Ostflügels des Weißen Hauses treten soll. Ein erheblicher Teil der Kosten wird durch Spenden großer Unternehmen gedeckt. Mit großer Sorge erfuhren wir, dass auch T-Mobile US zu den Spendern gehört. 

T-Mobile bezeichnete die Spende als eine “Ehre”. Wir halten die Spende für höchst problematisch. 

T-Mobile ist wirtschaftlich eng mit der Deutschen Telekom verwoben: Die Telekom hält die Mehrheit der Anteile an der US-Tochter und profitiert so maßgeblich von deren Wert und Erfolg. Sie selbst stehen dem Board of Directors von T-Mobile vor. Zugleich ist der deutsche Staat der größte Einzelaktionär der Deutschen Telekom – und damit indirekt auch an T-Mobile US beteiligt. 

Diese Verbindung macht den Vorgang brisant. Die Gefahr eines Reputationsschadens für die Telekom und den deutschen Staat als Anteilseigner ist enorm. Seit längerem ist bekannt, dass die Trump-Regierung auf ein “pay to play”-System setzt. Unternehmen und Staaten werden ermutigt, sich durch Spenden, Investitionen oder Schenkungen Zugang oder wohlwollende Behandlung zu erkaufen. Ob Flugzeug oder Crypto-Währung – Trump akzeptiert Schmiergelder ohne mit der Wimper zu zucken. Noch nie war ein US-Präsident so offensichtlich korrupt.

Vor diesem Hintergrund stellen sich viele Menschen, gerade hier in Europa und Deutschland, die Frage: Wie konnte sich ein Unternehmen mit deutscher Mehrheit und staatlicher Beteiligung bewusst in dieses Umfeld begeben? 

Wir bitten um Aufklärung und die Beantwortung folgender Fragen:

  • Wie hoch war die Spende von T-Mobile US an die Denkmalstiftung, über die das Ballsaal-Projekt finanziert wird?
  • Erhielt T-Mobile im Vorfeld oder im Nachhinein irgendeine Form von Gegenleistung für die Spende – ausdrücklich oder unausgesprochen?
  • War den Anteilseignern der Deutschen Telekom bekannt, dass Kapital der US-Tochter in ein solches Projekt fließt?
  • Warum flossen Gewinne von T-Mobile in ein umstrittenes Projekt des US-Präsidenten, statt sie in Form von Dividenden an die Anteilseigner – einschließlich des deutschen Staates – auszuschütten?

Wir freuen uns auf eine baldige Antwort. Bitte teilen Sie uns auch mit, welche Maßnahmen Sie ergreifen werden, um ähnliche Vorgänge in Zukunft zu vermeiden. 

Mit freundlichen Grüßen,

Sebastian Schäfer

Mitglied des Deutschen Bundestags, Bündnis90/Die Grünen

Daniel Freund

Mitglied des Europäischen Parlaments, Bündnis 90/Die Grünen

 

Wir melden uns, sobald wir von Herrn Höttges gehört haben.