Von Big Tech bis Chemie: So viel Geld geben Konzerne für Lobbying aus
Konzerne und Wirtschaftsverbände investieren mehr in Lobbying als je zuvor. Firmen wie Meta, Shell und Bayer geben jährlich rund 382 Millionen Euro aus, um Gesetze und politische Entscheidungen in Brüssel zu beeinflussen – 50 Prozent mehr als noch 2020. Das zeigt eine neue Studie der Organisationen Lobby Control und Corporate Europe Conservatory.
Die Lobby-Ausgaben im Tech-Sektor sind 2026 auf 73 Millionen Euro angestiegen. Damit liegt Big Tech auf Platz 1 des Ausgaben-Rankings, gefolgt von der Finanzindustrie, Energiekonzernen, Chemie- und Landwirtschaft und Wirtschaftsverbänden. Rund 173 Firmen geben mehr als 1 Millionen pro Jahr für Einflussnahme aus und wurden von der Studie erfasst.
Um die Arbeit von Lobbyisten in Brüssel transparent zu machen, gibt es das Lobby-Transparenzregister. Einträge im Register sind jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Und da es keine wirksamen Sanktionen gibt, hängt die Qualität der Daten entsprechend allein davon ab, welche Angaben die Registrierten freiwillig machen.
Die steigenden Ausgaben für Lobbyist:innen gehen einher mit dem Plan der Kommission, zahlreiche Wirtschaftsbereiche zu deregulieren. Vor allem rechte und konservative Parteien unterstützen die Schwächung von Verbraucher- und Umweltschutz-Standards.
Daniel Freund, Grüner Verhandlungsführer für das EU-Lobbyregister:
“Noch nie haben Konzerne und Wirtschaftsverbände mehr Geld ausgegeben, um politische Entscheidungen zu beeinflussen, als heute. Noch nie waren effektive Regeln und Kontrollorgane wichtiger. Wir brauchen ein verbindliches Lobby-Transparenzregister. Wir brauchen ein Ethikgremium, das Standards für alle EU-Institutionen festlegt. Und wir müssen dafür sorgen, dass die Zivilgesellschaft genauso gehört wird, wie die Lobbyisten finanzstarker Industrien. Sonst zahlen Verbraucher und Umwelt am Ende den Preis.”