Antikorruption, Demokratie, Transparenz 02.07.2026

Flamingos, Korruption und illegale Hotelprojekte: Ein Reisebericht aus Albanien

wetlands in viola narta national park

Ein Flughafen, mitten im Naturschutzgebiet. Was absurd klingt, ist in Albanien Realität. Da wo einst Schildkröten und Mönchsrobben, Pelikane und Flamingos lebten, erstrecken sich nun Start- und Landebahn. Der “Vlora International Airport” war aber nur ein Stop bei meinem Besuch in Albanien. Denn die Regierung unter Edi Rama hat noch mehr vor im Küstengebiet Vjosa-Narta. Der Mann, der sein Land nach eigenen Aussagen schnellstmöglich in die EU führen will, scheint den Kompass verloren zu haben. Deswegen bin ich in den vergangen Tagen mit anderen Grünen Abgeordneten aus Bundestag und Europaparlament vor Ort gewesen. 

Wer Milliarden-Investitionen verspricht, erhält von Ramas Regierung Zugang zum letzten unberührten Flussdelta der Mittelmeerregion. Seit einiger Zeit zählen auch prominente Namen zur Kundschaft: Jared Kushner und Ivanka Trump. Die Tochter und der Schwiegersohn des US-Präsidenten wollen gemeinsam mit internationalen Geldgebern für vier Milliarden Dollar einen Hotelkomplex ins Schutzgebiet betonieren. Der Hotelkomplex soll sich kilometerlang an der Küste entlang und über die nahe Insel Sazan erstrecken.

Lokale Umweltorganisationen wie PPNEA erzählen uns: Eigentlich dürfte das nicht erlaubt sein. Eigentlich gelten Umweltgesetze, die solche Immobilienprojekte verhindern. Eigentlich. 

Denn für die Kushners und Trumps dieser Welt sollen die Regeln nicht gelten. Rama hat die Gesetze ausgehöhlt. Er hofft, dass Albanien so in die “Champions-League” des globalen Tourismus aufsteigt. Scheinbar um jeden Preis.

 

Das ganze macht nicht nur mich wütend. Zehntausende Albanerinnen und Albaner gehen jeden Abend auf die Straße. Seit mehr als 30 Tagen protestieren sie friedlich in Tirana gegen die Regierung und färben die Straßen pink. Der bedrohte Flamingo ist zum Wahrzeichen der Bewegung geworden.

Wer den Menschen zuhört versteht: Die Flamingo-Revolution ist mehr als ein Umweltprotest. Sie ist ein Aufstand gegen ein System, in dem Oligarchen, korrupte Politiker und internationale Investoren über die Köpfe der Bürger:innen hinweg entscheiden und ihre eigenen Regeln machen.

Und all das in Zeiten, in denen das Land den EU-Beitritt herbeisehnt. Statt Korruption glaubwürdig zu bekämpfen, höhlt die Regierung den Rechtsstaat aus, lässt Milliardäre die Regeln schreiben und verramscht die Natur. Damit verstößt sie gegen fundamental europäische Standards. Die Albanerinnen und Albaner der Flamingo-Revolution wissen das. Es wird Zeit, dass Ramas Regierung ihnen zuhört und wieder auf den richtigen Weg findet.